Coforschung

Coforschung

Das Interesse von WissenschaftlerInnen, Studierenden und AbsolventInnen an einer Erforschung von Utopiastadt und dem umgebenden Quartier Mirke und der Nordstadt ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Ebenso wurden in vielen Gesprächen zwischen und Utopiastadt, TransZent, Montag Stiftung, HU Berlin, Wuppertal Institut, Stadtbaukultur NRW u.a. viele Wissenslücken bei Raumunternehmen, integrierter Quartiers- und Gesellschaftsentwicklung festgestellt. Dies führt zum Jahresbeginn 2016 zur Gründung einer regelmäßige »Coforschungsgruppe« von Utopiastadt und TransZent als inter- und transdisziplinärer Runde und Vernetzungspunkt für Einzelarbeiten oder -projekte.

Hier treffen in einer offenen Runde Studierende und Lehrende verschiedener Fachbereiche und unterschiedlicher Abschlussgrade mit Praxisakteuren aus der Umgebung zusammen. Konkrete Themen, Fragen und Probleme aus dem Quartier werden verknüpft mit wissenschaftlichen Fragestellungen und Methoden, woraus einzelne Forschungsprojekte entstehen. Die Themenvielfalt reicht von theoretischen soziologischen Reflexionen zur Postwachstumsentwicklung im Quartier über konkrete Konzepte eines Nachhaltigkeitslehrpfads, Empfehlungen zur Unterstützung von digitalem Handwerk in offenen Werkstätten von Utopiastadt, flächendeckenden Erhebungen zu den Bedarfen von QuartiersbewohnerInnen oder benachteiligten Kindern bis hin zu umfassenden landschaftsarchitektonischen Entwürfen für Freiflächen.

Die Coforschungsgruppe zeichnet sich dabei durch vier Leitlinien aus:

1.  Kollaborative & transdisziplinäre Fragenentwicklung & Betreuung
2.  Transformativer Nachhaltigkeitsanspruch
3.  Vernetzung & Wissensverdichtung
4.  Open-Data- & Open-Knowledge-Ideale

 

  • 1. Interessierte erhalten von Beginn an sowohl Rückmeldung zur wissenschaftlichen Qualität ihrer Fragestellung als auch zur realweltlichen Relevanz der Ergebnisse oder Prozesse. Viele Fragestellungen haben ihren Ursprung in realweltlichen Themen die von PraxispartnerInnen eingebracht werden. Verweise auf und Unterstützung in Fragen der inter- und transdisziplinären Arbeitsmethoden erfolgen durch eigene spezifische Inputs, eine offene Literaturdatenbank und auf jedes Projekt zugeschnittene Rückmeldungen.
  • 2. TransZent und Utopiastadt stehen für eine nachhaltige, zukunftsbewusste und inklusive Gesellschaftsentwicklung. Auch Forschung ist nicht vollständig neutral und objektiv, weshalb wir klar Stellung für eine transformative Nachhaltigkeitsforschung (Schneidewind, Singer-Brodowski, Augenstein, & Stelzer, 2016) beziehen. Die lokale Wirkung der Projekte wird durch ihre direkte Anbindung an interessierte Praxisakteure sowie die weiterreichende Verbreitung der Ergebnisse in aufbereiteter Form unter lokalen Beteiligungsplattformen, Stadtentwicklung, Bezirksvertretung etc. erzielt.
  • 3. Eine weitere Grundidee besteht darin, verschiedene Akteure in den Dialog und Austausch zu bringen. Eigene Fragestellungen sollen durch andere, anders gelagerte Blickwinkel bereichert und verändert werden, auf bestehendes Wissen soll aufgebaut werden. Die Coforschungsgruppe hat dazu eine Projektsteckbriefsammlung sowie eine digitale Datenbank aufgebaut, die nach bisher bearbeiteten Themen, verwandten Methoden, untersuchten Gruppen, Akteuren uvm. durchsucht werden kann. Nach einem Jahr Coforschung wurden Arbeiten zur In-Beziehung-Setzung der bisherigen Einzelergebnisse angeregt, um die Verdichtung und Vernetzung des Wissens noch stärker zu fördern.
  • 4. Wissen braucht freien Zugang. Den Idealen der Open-Data-Bewegung (vgl. Molloy, 2011) versucht sich die Coforschungsgruppe zu nähern, indem nicht nur die abgeschlossenen Arbeiten sondern auch die Datensätze, Lagepläne, Skizzen, Interviews etc. zur weiteren Nutzung zu Verfügung gestellt werden (soweit datenschutz- und urheberrechtlich erlaubt). Dadurch sollen Studierende dazu angeregt werden Mittel der offenen Wissenschaft zu reflektieren und anzuwenden.

Coforschung bringt Praxis und Wissenschaft produktiv zusammen. Sie fungiert als hybride Konstruktion mit Anteilen eines Wissenschaftsladens, eines Forschungskolloquiums, einer Projektdatenbank, einer Arbeitsgemeinschaft und Transferstelle und kann als Instrument und Beitrag zu einer integrierten Quartiers- und Gesellschaftsentwicklung verstanden werden.

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